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VdK fordert Pflegereform nach dem Vorbild Dänemarks

Angesichts steigender Eigenanteile in Pflegeheimen und einer immer höheren Zahl an Pflegebedürftigen im Saarland fordert der Sozialverband VdK einen radikalen Neuanfang in der Pflegepolitik.

Der VdK schlägt vor, sich ein Beispiel an dem Vorbild Dänemarks zu nehmen und die Organisation der Pflege als Pflichtaufgabe zur kommunalen Daseinsvorsorge in die Verantwortung der Kommunen zu geben und diese finanziell entsprechend auszustatten. In Dänemark sind die Kommunen dafür zuständig, den Bedarf vor Ort zu erfassen, Hilfsmittel zu verwalten, Pflegeangebote zu steuern und im Fall von Unterversorgung selbst Angebote aufzubauen. 

„Die Kreise und Kommunen sind am nächsten an den Menschen dran und könnten passgenau und vor allem präventiv reagieren. Doch aktuell dürfen sie nicht mitbestimmen, müssen aber als Sozialhilfeträger die steigenden Kosten tragen, wenn Pflegebedürftige die hohen Eigenanteile in Pflegeheimen nicht mehr bezahlen können“, sagt die VdK-Landesvorsitzende Dagmar Heib. Fast die Hälfte (43 Prozent) der knapp 12.000 Pflegebedürftigen in stationären Einrichtungen musste 2024 Hilfe zur Pflege beantragen. Für die Landkreise als Sozialhilfeträger eine hohe Belastung: Sie mussten 2024 74 Millionen Euro für die Hilfe zur Pflege ausgeben – ein Anstieg von fast 20 Millionen Euro in nur zwei Jahren. Bundesweit sind es mehr als 4 Milliarden Euro. 

Durch den Aufbau einer kommunalen Pflegeinfrastruktur könnten diese Kosten langfristig gesenkt werden, ist der VdK überzeugt. „Das Ziel muss sein, Pflegebedürftigkeit zu verhindern oder zumindest hinauszuzögern. Das geht nur, wenn die Verantwortung bei denen liegt, die ohnehin schon einen Teil der Kosten bezahlen müssen. Es geht hier nicht darum, mehr Bürokratie aufzubauen, sondern sich vorbeugend darum zu kümmern, dass Menschen proaktiv beraten und entsprechend versorgt werden. Durch eine Wohnberatung könnten zum Beispiel Stürze vermieden werden, die eine häufige Ursache für Pflegebedürftigkeit sind“, sagt VdK-Landesgeschäftsführer Peter Springborn. 

Eine Sicherstellung der Pflegeversorgung ist aus Sicht des Sozialverband VdK umso dringlicher, als der Großteil der Pflegebedürftigen (85 Prozent) zuhause versorgt wird. Und das in der Regel von Angehörigen, die von der Pflege physisch und psychisch stark belastet sind – vor allem im Saarland, wie die Externer Link:VdK-Pflegestudie 2023 ergab. „Obwohl die Angehörigen so viel leisten und dadurch der Pflegeversicherung Kosten ersparen, sind sie die Leidtragenden des aktuellen Systems. Ziel einer kommunalen Pflegeinfrastruktur muss sein, die Angehörigen durch einen Ausbau lokaler Unterstützungsangebote stärker zu entlasten. Auch dadurch könnte manche Heimeinweisung vermieden werden. Das kann nicht finanziell zu Lasten der Kommunen gehen, hier braucht es eine grundlegende Strukturreform der Finanzierung“, sagt Heib. 

Hintergrund: Mit 3601 Euro monatlich im ersten Aufenthaltsjahr liegt das Saarland nach Externer Link:aktuellen vdek-Zahlen von Januar beim Eigenanteil für stationäre Pflege auf dem zweiten Platz hinter Bremen. Pflegebedürftige im Pflegeheim müssen damit sieben Prozent oder 221 Euro mehr zahlen als noch vor einem Jahr. Im Vergleich zu Externer Link:Januar 2024 beträgt der Anstieg sogar 20 Prozent oder 620 Euro. Damals hatte der Eigenanteil im Saarland erstmalig die Marke von 3000 Euro gesprengt – trotz nach Aufenthaltsdauer gestaffelter Zuschüsse der Pflegekasse.

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