Warum Einsamkeit krank machen kann
Wie belastet Einsamkeit den Körper und was hilft? Darum ging es in einem Vortrag von Landesvorstandsmitglied Dr. Daniel Bieber beim Ortsverband Halberg.

Einsamkeit macht krank. Insbesondere im Alter. Obwohl dieses „Phänomen“ nicht an ein gewisses Lebensalter gebunden ist. „In jeder Lebensphase können Menschen einsam sein“, erklärte Prof. Dr. Daniel Bieber in einem Vortrag unter dem Titel „Einsamkeit im Alter“ vor Mitgliedern des VdK-Ortsverbandes Halberg. Der Wissenschaftler war Beauftragter für die Belange von Menschen mit Behinderungen im Saarland und Leiter des Instituts für Sozialforschung und Sozialwirtschaft in Saarbrücken. Seit 2016 ist Prof. Bieber Mitglied des VdK-Landesvorstandes.
Subjektives Gefühl
Wie Forschungen belegen, belasten fehlende Bindungen Körper und Seele erheblich. Denn soziale Isolation erhöhe das Risiko für Depression, Herz-Kreislauf-Erkrankungen und Demenz deutlich. Deshalb sei ein Zusammenhalt über Generationen hinweg wichtig. Allerdings, so Prof. Bieber: „Allein sein ist nicht zu verwechseln mit Einsamkeit.“ Denn viele Menschen liebten es, ab und an Ruhe und keinerlei Kontaktverpflichtungen zu haben (Stichwort: „Ich bin dann mal weg“). Eine eindeutige Definition von Einsamkeit gibt es laut Prof. Bieber nicht: „Einsamkeit ist kein objektiver Begriff, sondern höchst individuell, also ein subjektives Gefühl!“.
Ihr mit geeigneten Maßnahmen entgegenzuwirken, sei zwar eine staatliche Aufgabe, „aber der Staat ist auch auf die Unterstützung von uns allen angewiesen“, betonte der Wissenschaftler. So sollten beispielsweise Vereine, Institutionen oder geeignete Verbände wie der Sozialverband VdK in die Herausforderung mit einbezogen werden. Im Bundesvergleich wies das Saarland eines Reports des Instituts der Deutschen Wirtschaft von 2019 zufolge mit 13,4 Prozent die höchste Quote an einsamen Menschen auf (Bundesdurchschnitt: 9,5 Prozent). Neben den bereits oben erwähnten Risiken für Erkrankungen sind weitere Folgen von „gefühlter“ Einsamkeit möglich: geringeres Selbstwertgefühl, Schlafprobleme, Stress und Suizidgedanken, erklärte der Referent.
Im Rahmen der großen VdK-Pflegestudie zur Situation in der häuslichen Pflege gab jeder fünfte saarländische Pflegebedürftige an, täglich von Einsamkeit betroffen zu sein. Auch deshalb haben die Delegierten des letzten VdK-Landesverbandstages 2024 einen Externer Link:Antrag unter dem Titel „Einsamkeit verhindern: Risiken ermitteln, soziales Netzwerk fördern“ verabschiedet. Darin zählt der VdK Saarland Anstöße auf, bei deren Verwirklichung VdK-Ortsverbände mitwirken könnten.
Kontakte fördern
Welche Wege gibt es aus der Einsamkeit? Die Formel lautet: „Gemeinsam gegen einsam – Kontakte knüpfen und fördern“. Dazu gibt es laut Bieber unterschiedliche Möglichkeiten. Zum Beispiel der „telefonische Hausbesuch“. Das heißt, miteinander telefonieren und bekannt machen, dass man da ist. Ein weiterer wichtiger Punkt sei ein „Verabredungsnetzwerk für gemeinsame Aktivitäten“ wie Spazieren, Wandern, Waldbaden, Radeln, Spiele und anderes. Des Weiteren könnte ein „Vernetzen mit Nachbarn“ unter dem Motto „mitsorgender Nachbarn“ ins Leben gerufen werden, wobei manche Aktivitäten wie Treffen oder Straßenfeste verabredet werden.
Auch gibt es besonders für ländliche Gebiete die sogenannte „Dorf-Funk-App“, mit der man sich über Neuigkeiten austauschen, plaudern oder verabreden kann. Ein weiteres Beispiel ist die „Generationen-Werkstatt: Alt hilft Jung – Jung hilft Alt“ (stricken, nähen, kleine Reparaturen, der Umgang mit Handy oder Tablet). Oder in „Erzählcafés“ aus dem Leben von früher berichten, vom Alltag in der Grube, auf dem Bauernhof, in der Schule.
Aufruf an Ortsverbände
Oder „mit Vorlesetreffs Gemeinschaft gestalten“. Hier lesen Omas und Opas Kindern, Enkeln und Nachbarkindern spannende und altersgerechte Texte vor und erleben dabei auch Erfüllung für sich selbst, nämlich ganz und gar nicht überflüssig zu sein.
Auch im Fernsehen und Internet gibt es etliche Initiativen wie das Externer Link:Kompetenznetzwerk Einsamkeit (KNE), das auf einer digitalen Landkarte über tausend Angebote gegen Einsamkeit auflistet oder die Kampagne „Meld dich mal wieder“ der Carolin Kebekus-Show. Die Initiative „Externer Link:Keiner bleibt allein“ entstand vor knapp zehn Jahren aus der Idee, an Weihnachten nicht allein zu sein und über soziale Netzwerke einsame Menschen miteinander zu vernetzen. Die VdK-Ortsverbände rief Dr. Bieber dazu auf, sich daran zu beteiligen, einsamen Menschen zur Seite zu stehen.