Suchtkranke Frauen vor Gewalt schützen

Frauen mit Suchterkrankungen finden selten einen Platz in einem Frauenhaus. Wie sie besser vor Gewalt geschützt werden können, war Thema einer Veranstaltung des Sozialministeriums, bei der das Projekt SEGEL aus Mannheim vorgestellt wurde. 

14 Frauen im Saarland fanden 2024 keinen Platz im Frauenhaus, weil sie an einer Suchterkrankung leiden. „14 Schicksale“, für die eine bessere Lösung gefunden werden muss, wie Sozialminister Magnus Jung bei der Fachveranstaltung „Schutzunterbringung gewaltbetroffener Frauen mit Suchterkrankungen“ deutlich machte. Ein Problem, das nicht nur das Saarland betrifft: Bundesweit gibt es bislang nur eine Einrichtung, die die Aufnahme von Frauen mit Suchterkrankungen möglich macht. Anlass für die Veranstaltung war die aktuelle Umsetzung des auf Bundesebene verabschiedeten Gewalthilfegesetz (GewHG), das 2032 in Kraft treten und einen Rechtsanspruch auf Beratung sowie einen Platz im Frauenhaus sichern soll. 

Das Projekt namens SEGEL wurde 2023 in Mannheim als eine Kooperation zwischen dem Drogenverein und dem Frauenhaus ins Leben gerufen und in Saarbrücken vorgestellt. Es bietet zwei Wohnungen für vier Frauen mit Suchterkrankungen; 34 Frauen wurden bereits aufgenommen. Da das Projekt immer bekannter werde, gebe es inzwischen eine Warteliste. „Es schmerzt mich im Herzen, wenn ich Frauen ablehnen muss, die mir weinend am Telefon erzählen, welche Gewalt sie erleben“, sagt Gülbeyaz Kaçar, fachliche Leiterin des Projekts beim Drogenverein Mannheim. 

Die „Konsumakzeptanz“ sei ein entscheidender Schlüssel, um Vertrauen zu den betroffenen Frauen aufzubauen, erklärte Gülbeyaz Kaçar. Dass der Substanzkonsum in einem gewissen Rahmen toleriert werde – solange er nicht direkt in den Räumlichkeiten stattfinde –, bedeute für die Frauen eine enorme Entlastung. Sie erlebten im Alltag ohnehin starke Stigmatisierung, Ausgrenzung und einen hohen Druck zur Entgiftung, der viele anfangs überfordere. Ohne diesen akzeptierenden Ansatz hätten viele den Schritt aus einer Gewaltbeziehung nicht gewagt, betonte Geschäftsführer Philip Gerber. Die Frauen bräuchten Zeit. Eine der größten Herausforderungen des Projekts sei die Suche nach geeignetem Wohnraum gewesen. Für den Erfolg sei zudem eine enge Kooperation mit der Psychiatrie unerlässlich, da Suchterkrankungen und psychiatrische Diagnosen häufig Hand in Hand gingen. Als Erfolgsbeispiel nannte er eine Frau, die drei Mal mit einer Intoxikation in die Klinik gebracht werden musste und heute wieder als Pflegekraft arbeitet. 

Da in den saarländischen Frauenhäusern in der Regel auch Kinder untergebracht sind, sei die Aufnahme von Frauen, die Substanzen konsumieren, in der Regel nicht möglich, machte Daniela Laufer vom Frauenhaus in Völklingen in der anschließenden Diskussion klar. Für diese Frauen existiere eine gravierende Lücke. Eva Wache vom Drogenhilfezentrum Saarbrücken unterstrich, dass die Konsumakzeptanz das A und O sei, um Zugang zu den Betroffenen zu bekommen. Viele seien akut von Wohnungslosigkeit bedroht, da ihnen oft kein anderer Wohnraum zur Verfügung stehe als die Wohnung mit dem gewaltbereiten Partner.