Special Olympics sind noch keine Inklusion!
Die Special Olympics stehen wie kein anderes Event für Inklusion. Doch was sind die nachhaltigen Effekte? Bei der Inklusion von Menschen mit Behinderungen ist im Saarland noch viel zu tun, findet VdK-Landesvorstandsmitglied Daniel Bieber.
Die Special Olympics sind ein Großevent, wie es das Saarland nur selten ausrichtet. Für eine Woche kommen Tausende ins Saarland, um dem Gedanken der Olympier zu huldigen: „Dabei sein ist alles!“ – mehr vielleicht als bei den „richtigen“ Olympischen Spielen. Für die Teilnehmenden ist das ganz sicher ein Höhepunkt ihres Jahres und sorgt für viel Spaß und unglaublich gute Stimmung.
Doch was sind die nachhaltigen Effekte dieser Veranstaltung im chronisch klammen Saarland? Ein Stadion, das ohnehin dringend sanierungsbedürftig war, wurde umfassend renoviert. Und sonst? Wie sieht es aus mit der Möglichkeit, ohne Barrieren eine Arztpraxis zu finden? Wie gestaltet man seine Fahrt im Öffentlichen Personennahverkehr, wenn noch nicht mal eine Barrieren berücksichtigende Planung der Fahrt möglich ist?
Warum sind die Ergebnisse der bei den Special Olympics zeitgleich stattfindenden Untersuchungen im Rahmen der Aktion „Healthy Athletes“ regelmäßig so niederschmetternd? Das Saarland holt jetzt Tausende Athleten ins Land, ist aber das einzige Bundesland, dass immer noch kein einziges Medizinisches Zentrum für Erwachsene mit Behinderungen (MZEBkurz fürMedizinisches Behandlungszentrum für Erwachsene mit geistiger Behinderung oder schweren Mehrfachbehinderungen) hat. Für Jüngere gibt es nun immerhin ein zweites Sozialpädiatrisches Zentrum an der Uniklinik in Homburg, aber wie viele Jahre mussten Familien darauf warten? Wie viele Sportvereine mit einem Angebot für behinderte Menschen gibt es und wie viele Sportstätten sind barrierefrei nutzbar?
Also: Gut ist es, dass wir die Special Olympics hier im Land veranstalten. Aber es bleibt noch sehr viel zu tun, um in Bezug auf die Inklusion behinderter Menschen weiter zu kommen. Die parallel zu den Special Olympics laufenden Diskussionen über Einsparpotenziale in der Eingliederungshilfe lassen das Schlimmste befürchten.