
Standpunkt: Einsamkeit aus der Tabuzone holen
Einsamkeit macht krank und betrifft nicht nur ältere Menschen. Sie ist ein gesellschaftliches Problem, das auf der strukturellen Ebene angegangen werden muss, insbesondere auf der kommunalen.
Es gibt Menschen, die in eine Unzahl sozialer Netzwerke eingebunden sind und sich dennoch einsam fühlen. Und es gibt Menschen, die viel alleine sind und sich nicht einsam fühlen, sondern es als sehr bereichernd empfinden, nicht mit anderen Menschen kommunizieren zu müssen. Einsamkeit ist also ein höchst subjektives Gefühl.
Damit wird dieses Gefühl nicht weniger problematisch: Es ist in der Wissenschaft unbestritten, dass Menschen, die sich einsam fühlen, nicht nur stark unter ihrer Situation leiden, sondern auch kränker werden, früher sterben und eine höhere Wahrscheinlichkeit haben, an Alzheimer oder einer Depression zu erkranken.
Dieses Problem ist nicht nur auf Ältere begrenzt. Trotz – oder vielleicht gerade wegen – eines intensiven Genusses von sozialen Medien fühlen sich auch Jüngere vielfach sehr einsam. Zudem fühlen sich ärmere Menschen oft einsamer als Menschen in einer besseren ökonomischen Situation.
Man könnte nun meinen: Dann müssen wir eben ausreichend Therapieangebote vorhalten und das Problem ist gelöst. Dem ist nicht so: Einsamkeit ist ein gesellschaftliches Problem, das auch auf der strukturellen Ebene angegangen werden muss, insbesondere auf der kommunalen. Städte und Gemeinden sollten günstige Rahmenbedingungen für ehrenamtliche Initiativen zur Bekämpfung von Einsamkeit schaffen. Wichtig sind auch fußläufig erreichbare Begegnungsorte und einsamkeitsvermeidende Wohnungsangebote.
Aber auch wir als VdK können etwas tun und wir tun schon einiges: Viele Ortsverbände bieten regelmäßig Treffen an. Wir könnten aber auch noch weitere niedrigschwellige Angebote schaffen: Mittagstische, Repair-Cafés, Tanz- oder Spiel-Abende, Erzähl-Abende oder -Nachmittage. Der Phantasie sind hier kaum Grenzen gesetzt. Gehen wir es an!
