„Es ist wichtig, dass wir uns Zeit nehmen“
Beim VdK-Servicetelefon können Mitglieder Termine vereinbaren, Fragen zur Mitgliedschaft stellen oder sich nach dem Stand ihres Verfahrens erkundigen. Sozialrechtsberaterin Maren Nolte unterstützt das Team bei juristischen Fragen.

Mit welchen Anliegen kommen die Mitglieder?
Wir sind die erste Anlaufstelle für viele Fragen. Sehr häufig geht es um Erwerbsminderungsrente oder darum, dass ein Pflegegrad oder ein Grad der Behinderung (GdBkurz fürGrad der Behinderung) abgelehnt wurde und die Mitglieder unsicher sind, ob sich ein Widerspruch lohnt. Weitere Themen sind Fragen zur medizinischen Reha oder die Anerkennung einer Berufskrankheit oder eines Arbeitsunfalls gegenüber der Berufsgenossenschaft. Oft rufen Menschen in akuten Problemsituationen an, zum Beispiel: Mein Mann ist ins Krankenhaus gekommen, was passiert jetzt? Wie beantrage ich einen Pflegegrad? Wir versorgen die Mitglieder mit Informationen, darunter auch unsere Broschüren. Eine häufige Frage ist, was zu tun ist, wenn der Krankengeld-Bezug nach 78 Wochen endet.
Wann sind Sie als Juristin gefragt?
Zum Beispiel bei einem Anhörungsverfahren. Das heißt, es liegt noch kein Bescheid vor, das Mitglied wird aber angehört. Ich gebe dann Tipps, was zu schreiben ist. Häufig auch bei der Frage, ob sich ein Verschlimmerungsantrag auf einen höheren GdBkurz fürGrad der Behinderung lohnt. Oder wenn es um die rechtlichen Voraussetzungen für eine Erwerbsminderungsrente oder eine medizinische Reha geht.
Ist das Service-Telefon auch ein Sorgentelefon?
Teilweise schon, weil Menschen oft in existenziellen Krisen anrufen. Die Erwerbsminderungsrente wurde abgelehnt und sie haben Angst, ihren Lebensunterhalt nicht mehr bestreiten zu können. Oder das Bürgergeld wurde abgelehnt und die Krankenversicherung oder das Jobcenter wollen Geld zurück. Hinzu kommen oft schwere Gesundheitsstörungen und starke Schmerzen. Deshalb ist es uns sehr wichtig, dass wir uns Zeit nehmen.
Wie lange dauern die Gespräche?
Manches kann in zwei Minuten geklärt werden, wenn es um Informationen zu Verfahren oder Rechtsauskünfte geht. Wenn wir einen Termin für die Sozialrechtsberatung machen, kann es schon länger dauern, in der Regel bis zu einer halben Stunde, in seltenen Fällen auch länger. Wir arbeiten den Sozialberatungszentren zu, indem wir das Gespräch in einer Notiz zusammenfassen. Unser Anspruch ist immer, den Mitgliedern weiterzuhelfen – auch dann, wenn wir nicht zuständig sind, etwa bei Fragen zu Arbeits-, Zivil- oder Strafrecht. Viele wissen nicht, wer der richtige Ansprechpartner ist und wir können es ihnen sagen. Dafür sind sie oft unglaublich dankbar. Wir bekommen viele positive Rückmeldungen.
Und wenn man nichts ändern kann?
Oft hilft es den Leuten, dass eine unabhängige Stelle mit juristischem Hintergrund die Rechtslage erklärt und die Gründe erläutert, warum zum Beispiel ein Widerspruch nicht erfolgreich war. Ich verweise dann auf unsere sozialpolitische Abteilung, die sich für Verbesserungen der rechtlichen Rahmenbedingungen einsetzt. Manchen tut es einfach nur gut, in diesem Bürokratie-Dschungel gehört zu werden und kompetente Antworten zu bekommen. Die Ablehnungsbescheide sind oft Standardtexte, die nur schwer zu verstehen sind.
Wann ruft man am besten an?
Montag und Dienstag sind sehr stark frequentierte Tage. Wir haben dann etwa 550 Anrufversuche am Tag, manchmal auch mehr, und können die Anliegen von 120 bis 160 Leuten pro Tag bearbeiten. Unsere Erfahrung zeigt, dass in den Nachmittagsstunden weniger Menschen anrufen. Dann sind wir sehr gut zu erreichen. Wir wollen ja niemanden abwürgen oder das Gefühl geben, abgefertigt zu werden, sondern den Mitgliedern gerecht werden. Das kann dann auch einmal ein bisschen länger dauern.
Was begeistert Sie an dieser Tätigkeit?
Dass man Menschen sehr schnell helfen kann. Die meisten Anfragen klären sich innerhalb einer halben Stunde und die Leute wissen, was sie als konkret als Nächstes tun müssen. Man bekommt direkt eine Rückmeldung.