„Parkinson hat viele Gesichter“
Bei Parkinson kommt es auf eine gute Einstellung der Medikamente an, wie der Facharzt für Neurologie Robert Liszka in einem Vortrag deutlich machte.

Die Hände zittern, Bewegungen werden langsamer, der Gang unsicherer, die Sprache undeutlicher, die Schrift kleiner: Erste Symptome einer möglichen Parkinson-Erkrankung, die im Saarland rund 5000 und in Deutschland etwa 220.000 Menschen betrifft. Die neurodegenerative Erkrankung wird durch ein Absterben von Gehirnzellen verursacht, die den Botenstoff Dopamin produzieren, der für die Bewegungssteuerung wichtig ist.
Im Saarland sind 0,78 Prozent der Bevölkerung betroffen – damit liegt das Bundesland laut Gesundheitsatlas Deutschland des Wissenschaftlichen Instituts der AOK auf Platz 1. Grund ist die im Saarland überdurchschnittlich ältere Bevölkerung und der demografische Wandel, so dass mit einer Verdoppelung der Zahlen bis 2030 gerechnet werde, wie Robert Liszka, Facharzt für Neurologie am Marienhausklinikum St. Wendel-Ottweiler, in einem Vortrag bei der Frühjahrstagung Demenz des Demenz-Vereins in Saarlouis erörterte. Aus diesem Grund seien Frauen auch stärker betroffen, da sie eine höhere Lebenserwartung haben. Bei 80-Jährigen sind laut Parkinson-Stiftung etwa vier- bis fünfmal mehr Menschen betroffen als bei 60-Jährigen.
Ursache häufig unbekannt
In Drei Viertel der Fälle sei die Ursache für Parkinson unbekannt. In fünf bis zehn Prozent spiele die Genetik eine Rolle, so Lizska. Aber auch Psychopharmaka oder Neuroleptika können Parkinson verursachen. Zudem stehen Pestizide im Verdacht, weshalb das „Parkinson-Syndrom durch Pestizide“ im Jahr 2024 offiziell als Berufskrankheit bei Winzern anerkannt wurde.
Laut Liszka handelt es sich um eine komplexe Systemerkrankung, die den ganzen Körper betreffen kann und nicht heilbar ist. Die gute Nachricht: Parkinson sei gut behandelbar und bei früher Diagnose nahezu die gleiche Lebenserwartung möglich. Problematisch ist aus seiner Sicht, dass „die Menschen zu viele Medikamente nehmen, bis zu 50 am Tag“ und das Reduzieren eine große Herausforderung darstelle.
Häufig sei auch eine Überdosierung von L-Dopa, das im Gehirn zu Dopamin umgewandelt wird. Die Folgen sind unwillkürliche Bewegungen und Zuckungen, die auch „Dyskinesien“ genannt werden, oder Halluzinationen – etwa eine fremde Person im Zimmer zu sehen oder ein Gesicht statt einer Vase. Da durch Dyskinesien mehr Kalorien verbraucht werden, erleiden viele Betroffene einen Gewichtsverlust.
Problem Dopaminmangel
Um L-Dopa zu sparen, werden sogenannte Dopamin-Agonisten eingesetzt, die die Wirkung von Dopamin imitieren, damit der Dopaminmangel ausgeglichen wird. Diese können jedoch wiederum müde und apathisch machen. Um den Abbau von Dopamin durch Enzyme zu verhindern, kommen zudem verschiedene Abbau-Hemmer zum Einsatz. Beim Nachlassen der Medikamente und einem Absinken des Dopamins kommt es häufiger zum „Einfrieren“, so dass Betroffene sich nicht bewegen können oder ins Schwanken geraten, was die Sturzgefahr erhöht.
Auch wenn Parkinson in erster Linie mit einer Störung der Bewegung in Verbindung gebracht wird, leiden Betroffene häufig stärker unter nicht-motorischen Symptomen wie Erschöpfung, Angstzuständen, Schmerzen, Schlafstörungen, Harnwegsproblemen oder Verstopfung. Neben der medikamentösen Behandlung sei daher auch viel Bewegung sowie Physio-, Logo- und Ergotherapie wichtig. Auch die richtige Ernährung spiele eine wichtige Rolle, da Eiweiße die Aufnahme von L-Dopa verhindern.