Kategorie Wohnen Soziale Gerechtigkeit

Sozialwohnungen: Öffentliche Wohnungsgesellschaften in der Pflicht

Anlässlich der aktuellen „Wohnraumtour“ des saarländischen Bauministeriums in den Kommunen fordert der Sozialverband VdK Saarland eine konsequente Umsetzung der verbesserten Förderprogramme.

„Die Wohnraumtour war der Startschuss. Die Rahmenbedingungen für den sozialen Wohnungsbau stimmen. Jetzt sind vor allem die landeseigene und die kommunalen Wohnungsgesellschaften gefragt. Sie spielen für den sozialen Wohnungsbau eine Schlüsselrolle und müssen endlich ihre Verantwortung zur Bekämpfung der Wohnungsnot im Saarland übernehmen“, sagt VdK-Landesvorstandsmitglied Wolfgang Lerch.

Denn Geld ist genug da: Allein für 2025 stehen dem Saarland 42 Millionen Euro an Bundesmittel für die soziale Wohnraumförderung zur Verfügung, für 2026 sogar 48 Millionen. Dennoch wurden die Mittel bislang zu wenig abgerufen. Die Folge: Innerhalb von 20 Jahren ist die Zahl der Sozialwohnungen im Saarland um 90 Prozent zurückgegangen auf derzeit 826 Wohnungen – um den Bundesschnitt zu erreichen, müssten es 12.000 sein. „Das Saarland ist hier Schlusslicht. Das ist besonders dramatisch angesichts der Tatsache, dass in unserem Bundesland die Belastung durch die Wohnkosten im Verhältnis zum Einkommen mit 39 Prozent höher ist als in jedem anderen Bundesland – und das trotz niedriger Kaltmieten“, sagt Lerch. 

Hintergrund ist unter anderem ein alter Gebäudebestand mit starkem Sanierungsbedarf und entsprechend hohen Heizkosten. „Umso wichtiger ist es, den Umstieg auf klimafreundliche Heizsysteme nachdrücklich zu fördern und dabei Haushalte mit geringem Einkommen gezielt zu unterstützen – auch auf Landesebene. Denn wenn nichts passiert und die alte Ölheizung im ungedämmten Haus weiter läuft, wird es am Ende noch viel teurer – sowohl für Eigentümer als auch für Mieter“, sagt Lerch. 

Weitere notwendige Maßnahmen sind aus Sicht des VdK die verbindliche Umsetzung von Sozialquoten bei Neubauten in Städten und Gemeinden, die Einführung einer Mietpreisbremse auf Landesebene, die Förderung von nachbarschaftlichen Strukturen oder die Umwandlung von Leerständen zu nutzbaren Wohnungen. Um den sozialen Wohnungsbau effektiv voranzutreiben und für mehr Transparenz zu sorgen, brauche es ein „Bündnis für bezahlbares Wohnen und Bauen“, das es derzeit nur im Regionalverband Saarbrücken gibt, auf Landesebene.

Ein weiteres Problem, das oft unter den Tisch falle, sei der steigende Bedarf barrierearmer Wohnungen. „Die Zahl älterer Menschen wird bis 2035 um 45.000 zunehmen. Schon jetzt haben vier Fünftel der Seniorenwohnungen keinen stufenlosen Zugang, es fehlen rund 40.000 barrierearme Wohnungen. Die bestehenden Förderprogramme müssen intensiviert und mehr rollstuhlgerechte Wohnungen gebaut werden“, so Lerch.