Pflegeheimkosten: VdK fordert spürbare Entlastung
Angesichts drohender Mehrkosten für Pflegebedürftige fordert der Sozialverband VdK Saarland in der Debatte um die Pflegereform eine echte Entlastung der Betroffenen.
„Die Landesregierung könnte kurzfristig für eine spürbare Entlastung sorgen, indem sie ihrer gesetzlichen Aufgabe nachkommt, für die Investitionskosten aufzukommen – wie es der VdK seit vielen Jahren fordert“, sagt die VdK-Landesvorsitzende Dagmar Heib. Auch die Ausbildungsumlage, bei der das Saarland mit 254 Euro monatlich auf dem ersten Platz liegt, sollte aus öffentlichen Mitteln finanziert werden.
„Die meisten Menschen möchten so lange wie möglich im eigenen Zuhause bleiben. Nachhaltige Pflegepolitik bedeutet, diesem Wunsch gerecht zu werden und die häusliche Pflege zu stärken. Dafür braucht es bessere Strukturen und Netzwerke vor Ort“, sagt Heib. Als langfristige Lösung plädiert der VdK für eine Kehrtwende in der Pflegepolitik und eine stärkere kommunale Steuerung nach dänischem Vorbild.
„Die Kreise und Kommunen sind am nächsten an den Menschen dran und könnten passgenau und präventiv reagieren. Doch aktuell dürfen sie nicht mitbestimmen, müssen aber als Sozialhilfeträger die steigenden Kosten tragen, wenn Pflegebedürftige die immer weiter steigenden Eigenanteile in Pflegeheimen nicht mehr bezahlen können. Durch steigende Eigenanteile droht eine noch stärkere Verlagerung der Kosten auf die Kommunen“, warnt Heib.
Der VdK schlägt vor, die Organisation der Pflege nach dem Vorbild Dänemarks als Pflichtaufgabe zur kommunalen Daseinsvorsorge in die Verantwortung der Kommunen zu geben und diese finanziell entsprechend auszustatten. Durch den Aufbau einer kommunalen Pflegeinfrastruktur könnten diese Kosten langfristig gesenkt werden, indem Pflegebedürftigkeit verhindert oder zumindest hinausgezögert wird. Ziel einer kommunalen Pflegeinfrastruktur muss außerdem sein, die ohnehin stark belasteten pflegenden Angehörigen durch einen Ausbau lokaler Angebote stärker zu unterstützen. „Durch diesen Wandel könnte manche Heimeinweisung vermieden werden“, so Heib.
Hintergrund
Mit knapp 3700 Euro Eigenanteil, den pflegebedürftige Heimbewohner im ersten Aufenthaltsjahr aus eigener Tasche bezahlen müssen, liegt das Saarland auf dem zweiten Platz hinter Bremen. Der Bundesdurchschnitt liegt bei 3364 Euro. Im Vergleich zum Vorjahr stieg der Eigenanteil um knapp 300 Euro. Die Investitionskosten betragen aktuell monatlich bei 574 Euro, ein Anstieg von neun Prozent im Vergleich zum Vorjahr. Die Kosten für Unterkunft und Verpflegung liegen bei 1271 Euro.
Insgesamt werden im Saarland knapp 12.000 Pflegebedürftige vollstationär versorgt. Laut Externer Link:statistischem Bundesamt erhielten Ende 2024 4460 Menschen in Einrichtungen Hilfe zur Pflege. Für die Landkreise als Sozialhilfeträger eine hohe Belastung: Sie mussten 2024 74 Millionen Euro für die Hilfe zur Pflege ausgeben – ein Anstieg von fast 20 Millionen Euro in nur zwei Jahren.