Nachbarschaftshilfe vereinfachen
Der Sozialverband VdK Saarland fordert einen leichteren Zugang zur Nachbarschaftshilfe im Saarland. Bürokratische Hürden wie ein Führungszeugnis oder eine Haftpflichtversicherung schrecken potenzielle Helfer ab.
„Es ist realitätsfern, dass ein Nachbar zum Fensterputzen, Staub saugen oder Einkaufen ein Führungszeugnis vorlegen soll, das nicht älter als drei Monate ist, da die Pflegebedürftigen die Person in der Regel schon gut kennen. Die hohen Auflagen schrecken potenzielle Helfer ab“, sagt die VdK-Landesvorsitzende Dagmar Heib.
Zusammen mit dem Nachweis einer privaten Haftpflichtversicherung und der Hygieneschulung sind die Hürden für den Zugang zur Nachbarschaftshilfe einfach zu groß, wie auch die Zahlen belegen: Im Saarland sind derzeit lediglich knapp 1.400 Nachbarschaftshelfer registriert, von denen rund 1.700 Pflegebedürftige profitieren. Angesichts von knapp 70.000 Pflegebedürftigen, die im Land zu Hause versorgt werden, ist das viel zu wenig. Ein Blick nach Baden-Württemberg beweist, dass es unbürokratischer geht: Dort lässt sich die Nachbarschaftshilfe ohne Registrierung oder polizeiliches Führungszeugnis im Nachhinein mit der Pflegekasse abrechnen.
„Die Nachbarschaftshilfe ist ein wichtiges Instrument, um pflegebedürftigen Menschen zu ermöglichen, möglichst lange eigenständig zuhause wohnen zu bleiben – gerade dann, wenn sie keine Angehörigen in der Nähe haben. Hier könnte die Landesregierung schnell und unkompliziert ein positives Zeichen des Bürokratieabbaus setzen“, so Heib. Sinnvoll ist aus Sicht des VdK außerdem eine Vermittlung von Helfern und Pflegebedürftigen, was die staatliche Registrierungsstelle aktuell nicht leistet.
Der Sozialverband VdK warnt vor den Kürzungen beim Pflegegrad 1 durch das neue Pflegeneuordnungsgesetz. Durch den geplanten Wegfall des monatlichen Entlastungsbetrags von 131 Euro sieht der Verband die niederschwellige Nachbarschaftshilfe gefährdet. Dies führe langfristig zu höheren Kosten, da Pflegebedürftige ohne die nötige Alltagshilfe früher in ein teures Pflegeheim umziehen müssten.