Menschen mit Behinderungen brauchen feste medizinische Strukturen
Die Effekte der Special Olympics dürfen nicht verpuffen: Der VdK fordert bessere medizinische Strukturen für Menschen mit Behinderungen.

Zum Abschluss der Special Olympics im Saarland macht der Sozialverband VdK Saarland auf die gravierenden Lücken in der Gesundheitsversorgung von Menschen mit Behinderungen aufmerksam und fordert die Landesregierung auf, für eine bessere Infrastruktur zu sorgen. Dazu zählt unter anderem die Einrichtung eines spezialisierten Behandlungszentrums für Erwachsene mit Behinderung (MZEBkurz fürMedizinisches Behandlungszentrum für Erwachsene mit geistiger Behinderung oder schweren Mehrfachbehinderungen), wovon es im Saarland kein einziges gibt. „Eine Beeinträchtigung darf nicht darüber entscheiden, ob ein Mensch gut versorgt wird. Die gesundheitliche Versorgung darf nicht mit dem 18. Lebensjahr enden. Menschen mit und ohne Beeinträchtigung haben das Recht auf einen gleichberechtigten Zugang zum Gesundheitssystem. Die positiven Effekte der Spiele dürfen nicht verpuffen, sondern müssen auch für die rund 200.000 Menschen mit Behinderungen im Saarland nachhaltig im Alltag spürbar werden“, sagt die VdK-Landesvorsitzende Dagmar Heib.
Die Daten des SOD-Gesundheitsprogramms „Healthy Athletes“, das im Rahmen der Special Olympics Deutschland (SOD) angeboten wird, zeigen, dass Menschen mit intellektueller Beeinträchtigung im Vergleich zur Durchschnittbevölkerung häufig einen schlechteren Gesundheitszustand und ein höheres Krankheitsrisiko haben. Demnach ist ein Drittel der untersuchten Sportler stark übergewichtig und benötigt eine physiotherapeutische Behandlung. Bei bis zu zwei Dritteln treten Hörminderungen auf. Etwa ein Drittel braucht eine zahnärztliche Behandlung, bis zu 60 Prozent eine neue Brille. Vier Fünftel haben Haut- und Nagelveränderungen an den Füßen, was auf nicht passendes Schuhwerk schließen lässt. Hinzu kommt: Die untersuchten Athleten sind in der Regel besser betreut und gehören zu den acht Prozent der Menschen mit intellektuellen Beeinträchtigungen, die regelmäßig Sport treiben, so dass die gesundheitliche Lage insgesamt vermutlich noch gravierender ist.
„Diese Ergebnisse zeigen deutlich, dass selbst die Sportler, die vielfach aus Wohnheimen oder Werkstätten kommen, gesundheitlich nicht gut versorgt sind. Dass der Gesundheitszustand teilweise so schlecht ist, ist ein unhaltbarer Zustand. Stationäre Wohneinrichtungen sind vertraglich dazu verpflichtet, die medizinische Betreuung ihrer Bewohner sicherzustellen. Wenn das nicht funktioniert, muss die Heimaufsicht in den stationären Wohnangeboten stärker darauf achten, dass die Einrichtungen die Gesundheit der Bewohner gezielter in den Blick nehmen und das Notwendige veranlassen, zum Beispiel regelmäßige Zahnarztbesuche. Es ist nicht hinnehmbar, dass Menschen, die nicht in der Lage sind zu bemerken, dass sie ein medizinisches Problem haben, auf ehrenamtliche Screenings angewiesen sind, um funktionierende Hör- oder Sehhilfen oder passende Schuhe zu erhalten. Langfristig braucht es ein systematisches Gesundheitsvorsorgeprogramm für Menschen mit Lernschwierigkeiten“, sagt VdK-Landesvorstandsmitglied Daniel Bieber.
Deshalb braucht es aus Sicht des Sozialverbands mehr inklusive Sportangebote, einen Ausbau barrierefreier Sportstätten sowie geschultes Personal in Vereinen. Wichtig ist auch, inklusive Medizin endlich verpflichtend in die Studiengänge zu integrieren, um Berührungsängste abzubauen. Nötig sind zudem Gesundheitskurse und Ernährungsberatung in leichter Sprache vor Ort und die Schulung von medizinischem Fachpersonal sowie Betreuenden.