Mehr Nachdruck bei Barrierefreiheit an Bahnhöfen gefordert

Anlässlich des Bahngipfels am heutigen Montag in Saarbrücken fordern der Sozialverband VdK Saarland und die Plattform Mobilität mehr Nachdruck bei der Herstellung von Barrierefreiheit

Ein Schild am Bahnhof in Ensdorf weist darauf hin, dass die Durchfahrt für Menschen im Rollstuhl zu eng ist. Der barrierefreie Umbau an dem Bahnhof wurde von 2024 auf 2027 verschoben.

Denn das Saarland ist hier nach wie vor Schlusslicht: Nur etwa 60 Prozent aller 77 Bahnstationen sind nach den aktuellsten Angaben der Deutschen Bahn (DB) von 2022 stufenfrei erreichbar. Der Bundesschnitt liegt bei 81 Prozent. „Damit ist das Land noch meilenweit von der Umsetzung des Personenbeförderungsgesetzes entfernt, wonach Barrierefreiheit im ÖPNV im Jahr 2022 hätte erreicht werden sollen. Hier muss dringend nachgebessert werden“, sagt VdK-Landesgeschäftsführer Peter Springborn. 

Zwar haben die DB und das Saarland Anfang 2022 in einer Rahmenvereinbarung die Modernisierung von 31 Bahnhöfen bis zum Jahr 2030 beschlossen, jedoch wurden mehrere Projekte zurückgestellt. In Ensdorf wurde der Baubeginn von 2024 auf 2027 verschoben, in Güdingen von 2023 auf voraussichtlich 2025, in Ottweiler kommt der Aufzug auf der 2018 neu errichteten Brücke erst dieses Jahr und beim Saarbrücker Ostbahnhof konnte der Umbau 2024 nicht starten, weil keine Baufirma gefunden worden sei. 

„Es ist nicht nachvollziehbar, dass sich die Bahn nicht an Verträge hält und das einfach hingenommen wird. Menschen mit Behinderungen können sich nicht darauf verlassen, ohne Hindernisse oder überhaupt an ihr Ziel zu kommen. Denn selbst wenn es einen Aufzug gibt, kommt es immer wieder auch über längere Zeiträume zu Ausfällen. Menschen, die auf einen Aufzug angewiesen sind, brauchen Verlässlichkeit. Nur wenn Barrierefreiheit verlässlich ist, ist der ÖPNV für Menschen mit Einschränkungen eine wirkliche Option. Barrierefreiheit verbessert die Lebensqualität aller und ist für manche unverzichtbar, um an der Gesellschaft teilzuhaben“, sagt Springborn.

 „Das Saarland hängt bei der Barrierefreiheit weit zurück. Hier müsste von Seiten der Landesregierung mehr Druck auf die Bahn ausgeübt werden“, sagt Erhard Pitzius, Vorsitzender der Plattform Mobilität. Zudem seien viele Bahnhöfe, die die Bahn als barrierefrei einstuft, nur „pseudo-barrierefrei“, wie beispielweise in Fischbach-Camphausen oder in Beckingen, wo die Bahnsteige zwar stufenlos erreichbar sind, aber für einen Wechsel auf das andere Gleis weite und oft auch steile Umwege in Kauf genommen werden müssen. Von den Bahnsteigen gelten laut Deutscher Bahn im Saarland 73 Prozent als stufenfrei erreichbar, 13 Prozent weniger als im Bundesschnitt. Auch der Bahnhof in Saarlouis gilt als barrierefrei, verfüge aber am Gleis 1 nicht über Blindenleitstreifen, kritisiert Pitzius. 

Über taktile Leitsysteme wie Handläufe oder Blindenleitstreifen verfügt nur knapp die Hälfte der Bahnstationen im Saarland. „Die Bedürfnisse von Menschen mit Sehbehinderung werden beim Thema Barrierefreiheit bisher nicht ausreichend berücksichtigt, was dazu führt, dass viele sich nicht trauen, allein mit Bus oder Bahn zu fahren und auf andere Menschen angewiesen sind. Viele bleiben aus Angst zuhause“, sagt Springborn. Auch bei taktilen Handläufen an Treppen oder Rampen liegt das Saarland mit 23 Prozent aller Stationen weit hinter dem Bundesschnitt von 49 Prozent zurück. 

Bei den rund 3600 Bus-Haltestellen sind nur 60 Prozent teilweise oder weitestgehend barrierefrei. Zwar wurden im Saarland in den vergangenen Jahren hunderte Haltestellen barrierefrei umgebaut – allerdings laut einem Rechnungshofbericht teilweise fehlerhaft und nicht den DIN-Normen entsprechend, etwa in Bezug auf die taktilen Leitsysteme. „Hier ist es dringend nötig, die zuständigen Verwaltungsmitarbeiter der Kommunen in der Umsetzung von barrierefreien Standards zu schulen, damit solche Fehler nicht wieder passieren. Barrierefreie Normen im öffentlichen Raum müssen Standard sein“, so Springborn.