Kategorie Behinderung Gesundheit

Recht auf Gesundheit für alle!

Anlässlich des Europäischen Protesttags zur Gleichstellung von Menschen mit Behinderung am 5. Mai macht der VdK Saarland auf die gravierenden Lücken in der Gesundheitsversorgung von Menschen mit geistiger Behinderung aufmerksam. 

Der Verband stützt sich dabei auf Daten des Gesundheitsprogramms „Healthy Athletes“, das im Rahmen der Special Olympics Deutschland (SOD) angeboten wird – auch bei den anstehenden nationalen Spielen im Juni im Saarland. „Eine Beeinträchtigung darf nicht darüber entscheiden, ob ein Mensch gut versorgt wird. Menschen mit und ohne Beeinträchtigung haben das gleiche Recht auf Gesundheit“, sagt die VdK-Landesvorsitzende Dagmar Heib. 

Die Daten des SOD-Gesundheitsprogramms zeigen, dass Menschen mit geistiger Beeinträchtigung im Vergleich zur Durchschnittbevölkerung häufig einen schlechteren Gesundheitszustand und ein höheres Krankheitsrisiko haben. Demnach ist ein Drittel der untersuchten Sportler stark übergewichtig und benötigt eine physiotherapeutische Behandlung. Bei etwa 60 Prozent waren die Gehörgänge verstopft, bei etwa einem Fünftel bestand Verdacht auf eine Hörminderung. Rund 40 Prozent der Teilnehmenden haben unbehandelten Karies, ein Drittel benötigt eine zahnärztliche Behandlung. Bei knapp der Hälfte wurde eine neue Brille verschrieben, die diese im Rahmen des Programms kostenlos erhalten. Vier Fünftel haben Haut- und Nagelveränderungen an den Füßen, was auf nicht passendes Schuhwerk schließen lässt. 

„Diese Ergebnisse zeigen deutlich, dass selbst die Sportler, die vielfach aus Wohnheimen oder Werkstätten kommen, gesundheitlich nicht gut versorgt sind. Dass der Gesundheitszustand teilweise so schlecht ist, ist ein unhaltbarer Zustand. Stationäre Wohneinrichtungen sind vertraglich dazu verpflichtet, die medizinische Betreuung ihrer Bewohner sicherzustellen. Wenn das nicht funktioniert, muss die Heimaufsicht in den stationären Wohnangeboten stärker darauf achten, dass die Einrichtungen die Gesundheit der Bewohner gezielter in den Blick nehmen und das Notwendige veranlassen, zum Beispiel regelmäßige Zahnarztbesuche. Es ist nicht hinnehmbar, dass Menschen, die nicht in der Lage sind zu bemerken, dass sie ein medizinisches Problem haben, auf ehrenamtliche Screenings angewiesen sind, um funktionierende Hör- oder Sehhilfen oder passende Schuhe zu erhalten. Langfristig braucht es ein systematisches Gesundheitsvorsorgeprogramm für Menschen mit geistiger Behinderung“, sagt VdK-Landesvorstandsmitglied Daniel Bieber. 

Da nur etwa acht Prozent der Menschen mit geistiger Behinderung regelmäßig Sport treiben, geht der VdK von einem noch höheren Bedarf bei der gesamten Bevölkerungsgruppe der Menschen mit geistiger Behinderung aus. Deshalb braucht es aus Sicht des Sozialverbands mehr inklusive Sportangebote, einen Ausbau barrierefreier Sportstätten sowie geschultes Personal in Vereinen. Wichtig seien außerdem Gesundheitskurse und Ernährungsberatung in leichter Sprache vor Ort und die Schulung von medizinischem Fachpersonal sowie Betreuenden.